Cortellazzo soll aufgewertet werden: 562.000 Euro für Piazza, Uferbereich und Direktverkauf von Fisch
Cortellazzo soll als traditionsreicher Fischerort stärker sichtbar und attraktiver werden. Die Stadt Jesolo hat das technisch-wirtschaftliche Machbarkeitsprojekt für die Neugestaltung der Piazzetta del Bersagliere und des angrenzenden Uferbereichs genehmigt. Insgesamt sind Investitionen von 562.000 Euro vorgesehen. Ein Schwerpunkt liegt auf der professionellen Fischerei: Künftig sollen Besucher den Fang direkt von den Fischern kaufen und das Anlanden des frischen Fisches unmittelbar miterleben können.
Cortellazzo gehört zu den Orten im Gemeindegebiet von Jesolo, die sich einen besonders eigenständigen Charakter bewahrt haben. Während wenige Kilometer weiter der Tourismus das Bild bestimmt, prägen hier der Piave, kleine Boote, Fischerei und Gastronomie das Ortsbild.
Genau diese Identität möchte die Stadt nun stärker hervorheben.
Die Gemeindeverwaltung hat am 5. Oktober 2026 das technisch-wirtschaftliche Machbarkeitsprojekt zur Neugestaltung der Piazzetta del Bersagliere beschlossen. Gleichzeitig soll auch der angrenzende Bereich der Anlegestelle beziehungsweise Uferkante erneuert werden.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Mit dem Beschluss liegt zunächst das Machbarkeitsprojekt vor. Die eigentlichen Bauarbeiten beginnen damit noch nicht automatisch.
Insgesamt 562.000 Euro vorgesehen
Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt 562.000 Euro.
Die Stadt teilt die Investition in zwei große Bereiche auf:
272.000 Euro sind für die Neugestaltung beziehungsweise Verbesserung des Ufer- und Anlegebereichs vorgesehen.
Weitere 290.000 Euro sollen in die Aufwertung der Piazzetta del Bersagliere fließen.
Damit soll nicht nur der öffentliche Raum schöner werden. Das Projekt verfolgt ausdrücklich auch wirtschaftliche und kulturelle Ziele.
Vor allem die lokale Fischerei soll stärker in den Mittelpunkt rücken.
Frischen Fisch direkt vom Fischer kaufen
Einer der interessantesten Punkte des Projekts ist die geplante Möglichkeit zum Direktverkauf des lokalen Fangs.
Dafür sollen entsprechende Verkaufsstrukturen eingerichtet werden.
Besucher könnten künftig erleben, wie die Fischer mit ihrem Fang zurückkehren, den Fisch anlanden und anschließend direkt verkaufen.




Damit möchte die Stadt die Wege zwischen Produzenten und Kunden verkürzen.
Statt dass der Fang zunächst über mehrere Zwischenstationen in den Handel gelangt, könnte ein Teil unmittelbar vor Ort angeboten werden.
Für Cortellazzo wäre das nicht nur wirtschaftlich interessant. Es würde auch eine Tradition sichtbarer machen, die für den Ort seit Generationen eine wichtige Rolle spielt.
Fischerei soll Teil des touristischen Erlebnisses werden
Die Stadt sieht darin gleichzeitig eine Chance für den Tourismus.
Cortellazzo verfügt bereits heute über zahlreiche Restaurants, in denen Fisch und Meeresfrüchte eine zentrale Rolle spielen.
Ein sichtbarer Direktverkauf könnte dieses Angebot ergänzen.
Urlauber könnten beispielsweise am Vormittag beobachten, wie die Fischer zurückkehren, frischen Fisch kaufen und gleichzeitig mehr darüber erfahren, welche Arten vor der Küste und in den angrenzenden Gewässern gefangen werden.
Damit würde aus der Fischerei ein Stück erlebbare lokale Kultur.
Gerade für einen Tourismusort wie Jesolo ist das interessant. Viele Gäste suchen neben Strand und Unterhaltung zunehmend auch authentische regionale Angebote.
„Kilometer null“ statt langer Transportwege
Die Stadt spricht ausdrücklich von der Aufwertung eines Produkts „a chilometro zero“ – also eines regional erzeugten Lebensmittels mit möglichst kurzen Transportwegen.
Bei Fisch bedeutet das im Idealfall: vom Boot nahezu direkt zum Kunden beziehungsweise in die lokale Gastronomie.
Das könnte nicht nur den Fischern bessere Vermarktungsmöglichkeiten eröffnen.
Auch Restaurants und Verbraucher könnten stärker erkennen, welche Produkte tatsächlich aus der lokalen Fischerei stammen.
Damit verbindet das Projekt wirtschaftliche Förderung mit regionaler Identität.
Bessere Wege für Fahrzeuge und Fußgänger
Die Planungen betreffen allerdings nicht nur Verkaufsstände.
Auch die Verkehrsführung im Bereich der kleinen Fischerei soll verbessert werden.
Geplant ist eine klarere Organisation der Wege für Fahrzeuge und Fußgänger.
Das ist gerade dort wichtig, wo verschiedene Nutzungen auf engem Raum zusammentreffen: Fischer müssen ihre Boote und Fahrzeuge erreichen, gleichzeitig bewegen sich Anwohner, Kunden und Besucher durch den Bereich.
Die Neugestaltung soll diese Abläufe übersichtlicher und sicherer machen.
Piazza soll barrierefrei und nachhaltiger werden
Ein weiteres Ziel ist die vollständige Zugänglichkeit des öffentlichen Bereichs.
Die Piazzetta del Bersagliere soll nach der Neugestaltung barrierefreier, funktionaler und nachhaltiger werden.
Gleichzeitig soll der Platz stärker als Ort wahrgenommen werden, an dem die Fischereikultur Cortellazzos sichtbar wird.
Damit geht das Projekt über eine klassische Platzsanierung hinaus.
Die Stadt möchte einen öffentlichen Raum schaffen, der Aufenthalt, Fischerei, Verkauf und lokale Geschichte miteinander verbindet.
Bürgermeister De Zotti: Investition in die Zukunft von Cortellazzo
Jesolos Bürgermeister Christofer De Zotti sieht in dem Projekt eine Investition in die langfristige Entwicklung des Ortsteils.
Ziel sei ein erneuerter, zugänglicher und funktionaler Raum, der gleichzeitig eine wichtige Tradition Cortellazzos sichtbar mache.
Die Neugestaltung von Platz und Uferbereich solle neue Möglichkeiten für die professionelle Fischerei schaffen und den Direktverkauf fördern.
Gleichzeitig sollen Einwohner und Besucher einen Ort erhalten, an dem sie Cortellazzo und seine Traditionen unmittelbarer erleben können.
Für De Zotti ist das Projekt deshalb eine Investition „in die Gegenwart und die Zukunft von Cortellazzo“.
Öffentliche Präsentation am 20. Oktober
Bevor die Planungen weiter konkretisiert werden, soll das Projekt auch ausführlich der Bevölkerung vorgestellt werden.
Dafür ist am Dienstag, 20. Oktober 2026, eine öffentliche Versammlung vorgesehen.
Sie findet in der ehemaligen Kaserne der Guardia di Finanza in der Via Asmara statt.
Dort sollen die Details des Projekts erläutert werden.
Für Einwohner und betroffene Betriebe dürfte dieser Termin besonders interessant sein, weil sich dort möglicherweise auch Fragen zur konkreten Gestaltung, zu Verkehrswegen und zu den geplanten Verkaufsstrukturen klären lassen.
Flächen gehören dem Genio Civile
Die Umsetzung ist auch verwaltungstechnisch nicht ganz einfach.
Die betroffenen Flächen gehören dem regionalen Genio Civile.
Deshalb entwickelte die Stadt das Projekt in Abstimmung mit dieser Behörde.
Gleichzeitig passt die geplante Nutzung in den im Juni 2026 vom Gemeinderat verabschiedeten beziehungsweise angenommenen Verwaltungsplan für das öffentliche Eigentum der Binnenschifffahrt.
Dort wurde für diesen Bereich ausdrücklich eine Nutzung im Zusammenhang mit der Fischerei bestätigt.
Stadt hofft auf Fördermittel
Die Finanzierung soll nach Möglichkeit nicht ausschließlich aus kommunalen Mitteln erfolgen.
Die Stadt hat das Projekt für zwei Förderprogramme eingereicht.
Eines davon gehört zum regionalen Programm im Rahmen des FEAMPA 2021–2027, des europäischen beziehungsweise nationalen Förderrahmens für Fischerei, Aquakultur und maritime Wirtschaft.
Zusätzlich wurde das Vorhaben beim Programm 6.A.2 „Riqualificazione del patrimonio della pesca“ des Aktionsplans F.A.R.I. von VeGAL/GAL PA FLAG Veneziano eingereicht.
Wichtig: Die Bewerbung um diese Fördermittel bedeutet noch nicht, dass die Zuschüsse bereits bewilligt wurden.
Cortellazzo zwischen Fischerei und Tourismus
Das Projekt könnte für Cortellazzo besonders interessant werden, weil der Ort eine Verbindung bietet, die in vielen klassischen Badeorten kaum noch sichtbar ist.
Hier treffen Tourismus und traditionelle Erwerbsformen unmittelbar aufeinander.
Die Fischerei gehört dabei nicht nur zur Vergangenheit.
Noch heute prägen Boote, Fischer und lokale Gastronomie das Gebiet rund um die Piave-Mündung.
Genau diese Besonderheit möchte die Stadt stärker nutzen.
Statt die Fischerei nur als historischen Hintergrund zu betrachten, soll sie aktiv in das Erscheinungsbild und das wirtschaftliche Leben des Ortsteils eingebunden werden.
Mehr als eine einfache Platzsanierung
Die vorgesehenen 562.000 Euro dienen deshalb nicht ausschließlich dazu, Pflasterflächen oder Wege zu erneuern.
Das Projekt verfolgt einen größeren Ansatz:
Die Piazzetta del Bersagliere soll attraktiver werden, der Uferbereich soll besser funktionieren, die professionelle Fischerei soll zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten erhalten und Besucher sollen leichter mit der lokalen Tradition in Kontakt kommen.
Gelingt diese Verbindung, könnte die Neugestaltung einen Bereich aufwerten, der sich deutlich vom klassischen Bild des Lido di Jesolo unterscheidet.
Gerade darin liegt möglicherweise die größte Chance.
Cortellazzo soll nicht zu einem weiteren touristisch austauschbaren Platz werden. Vielmehr möchte die Stadt genau jene Fischereitradition stärken, die dem Ort bis heute seinen besonderen Charakter gibt.
Stand: 5. Oktober 2026. Genehmigt wurde bislang das technisch-wirtschaftliche Machbarkeitsprojekt. Das Vorhaben wurde für zwei Förderprogramme eingereicht.
