Ring am Strand verloren?

Ring am Strand verloren? Ein Österreicher hat eine ungewöhnliche Lösung entwickelt

Ein verlorener Ehering im Sand, ein verschwundener Schlüssel oder eine wertvolle Uhr: Was für Urlauber am Strand schnell zum Albtraum wird, könnte dank einer neuen Internetplattform doch noch ein gutes Ende nehmen. Der Niederösterreicher Kenny Trappl hat mit „Retrievly“ ein kostenloses Angebot geschaffen, das Menschen mit verlorenen Gegenständen und freiwillige Schatzsucher zusammenbringt. Besonders an den Stränden der italienischen Adria möchte er damit ein Netzwerk aufbauen.

Ein entspannter Urlaubstag in Jesolo, Cavallino-Treporti oder Bibione. Die Sonne scheint, das Meer lädt zum Baden ein. Doch plötzlich folgt der Schreck: Der Ehering ist verschwunden. Vielleicht ist er beim Schwimmen vom Finger gerutscht oder beim Eincremen unbemerkt im Sand gelandet.

Wer schon einmal versucht hat, einen kleinen Ring am Strand wiederzufinden, kennt das Problem. Tausende Sandkörner, ständig wechselnde Wellen und ein oft nur ungefähr bekannter Verlustort machen die Suche äußerst schwierig.

Genau hier setzt eine neue Idee aus Österreich an.

Retrievly bringt Urlauber und freiwillige Schatzsucher zusammen

Der Niederösterreicher Kenny Trappl hat die Internetplattform Retrievly gegründet. Sie verbindet Menschen, die im Freien etwas verloren haben, mit sogenannten Sondengängern. Das sind Personen, die mit Metalldetektoren nach metallischen Gegenständen suchen.

Die Idee ist denkbar einfach: Wer beispielsweise am Strand von Jesolo seinen Ehering verliert, kann den Verlust auf der Plattform melden. Freiwillige Sondengänger aus der Umgebung können sich daraufhin anbieten, bei der Suche zu helfen.

Das Besondere daran: Die Nutzung von Retrievly ist kostenlos. Die Plattform verlangt weder Vermittlungsgebühren noch eine Provision.

Ein möglicher Finderlohn wird direkt zwischen dem Besitzer und dem freiwilligen Helfer vereinbart.

Die Idee entstand beim Müllsammeln in der Donau

Hinter Retrievly steckt keine große Firma, sondern ein begeisterter Hobby-Sondengänger aus Niederösterreich.

Die Geschichte begann in Wien, genauer gesagt in der Donau.

Kenny Trappl verbrachte viel Zeit damit, beim Schnorcheln Müll aus dem Wasser zu holen. Dabei machte er eine interessante Erfahrung: Immer wieder kamen Badegäste auf ihn zu, die etwas verloren hatten.

Mal war es ein Handy, mal eine Sonnenbrille oder ein anderer persönlicher Gegenstand. Kenny versuchte zu helfen und tauchte nach den verlorenen Sachen.

Besonders beeindruckten ihn die Reaktionen der Menschen, wenn er tatsächlich etwas zurückbringen konnte.

„Wenn ich es dann gefunden habe und die Gesichter der Leute gesehen habe, die ihre Sachen zurückbekommen haben, das war unglaublich belohnend“, erzählt Kenny im Gespräch mit dem Jesolo Magazin.

Später entdeckte er das Sondengehen für sich. Die Suche mit dem Metalldetektor weckte erneut seine Begeisterung.

Gleichzeitig beschäftigte er sich privat intensiv mit künstlicher Intelligenz und digitalen Möglichkeiten.

Aus diesen Interessen entstand schließlich die Idee für Retrievly: Warum nicht Menschen, die etwas verloren haben, mit jenen zusammenbringen, die ohnehin gerne auf Schatzsuche gehen?

So funktioniert die Suche über Retrievly

Wie meldet man einen verlorenen Ring? Wie finden freiwillige Sondengänger eine Suchanfrage? Das folgende Video zeigt Schritt für Schritt, wie die kostenlose Plattform funktioniert.

Die Nutzung der Plattform ist bewusst einfach gehalten.

Wer einen Gegenstand verloren hat, besucht die Internetseite und erstellt eine Suchanfrage. Dabei werden der ungefähre Verlustort, eine Beschreibung und möglichst auch ein Foto angegeben.

Sondengänger aus der Umgebung können diese Anfrage sehen und ihre Hilfe anbieten.

Der Besitzer entscheidet anschließend selbst, welchen Helfer er auswählen möchte. Erst dann erhält der ausgewählte Sondengänger den genauen Suchort. Über eine Chatfunktion können beide die weiteren Schritte vereinbaren.

Kommt es zu einem erfolgreichen Fund, wird der Gegenstand persönlich zurückgegeben.

Eine Garantie gibt es selbstverständlich nicht. Je genauer der Verlustort bekannt ist und je schneller die Suche beginnt, desto besser sind jedoch die Voraussetzungen.

Warum Kenny gerade an der italienischen Adria beginnt

Für den Aufbau seines Netzwerks hat Kenny Trappl bewusst Italien als wichtigen Ausgangspunkt gewählt.

Der Grund liegt auf der Hand: An der italienischen Adriaküste verbringen jedes Jahr zahlreiche Urlauber aus Österreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern ihre Ferien.

Besonders an beliebten Badeorten wie Jesolo, Cavallino-Treporti, Caorle, Bibione oder Grado können verlorene Schmuckstücke schnell zum Problem werden.

„Begonnen habe ich in Italien, weil dort besonders viele deutschsprachige Menschen Urlaub machen“, erklärt Kenny.

Langfristig möchte er möglichst viele freiwillige Helfer erreichen, damit Suchanfragen auch tatsächlich von jemandem in der Nähe übernommen werden können.

Dabei ist ihm eines besonders wichtig: die Hilfsbereitschaft innerhalb der Sondengänger-Community.

„Die Sondengänger-Community ist generell unglaublich freundlich und hilft wirklich gerne“, berichtet er.

Die Plattform ist derzeit auf Deutsch, Italienisch, Englisch und Spanisch verfügbar.

Kostenlos und ohne kommerzielle Interessen

Bei neuen Internetplattformen stellt sich häufig die Frage, wie sich das Angebot finanziert.

Kenny gibt darauf eine klare Antwort: Er verdient mit Retrievly derzeit kein Geld.

„Die Erhaltungskosten der Website sind recht überschaubar, deswegen mache ich mir da momentan keine Sorgen. Mich treibt vor allem die Motivation, das Projekt voranzutreiben und aufzubauen.“

Auch die freiwilligen Helfer sollen daraus kein Geschäft machen müssen.

Allerdings würde sich Kenny wünschen, dass erfolgreiche Sucher zumindest eine kleine Anerkennung erhalten. Ein Finderlohn könnte beispielsweise die Kosten für die Anfahrt und die Verpflegung decken.

Ob und in welcher Höhe ein Finderlohn bezahlt wird, vereinbaren die Beteiligten selbst. Über die Plattform werden keine Zahlungen abgewickelt.

Auch Sondengänger an der Adria werden gesucht

Damit das Projekt funktioniert, braucht es nicht nur Menschen, die etwas verloren haben. Ebenso wichtig sind freiwillige Helfer vor Ort.

Deshalb richtet sich Retrievly ausdrücklich auch an Hobby-Sondengänger, die regelmäßig mit ihrem Metalldetektor unterwegs sind.

Wer in Jesolo, Cavallino-Treporti, Caorle, Bibione oder anderen Orten an der Adria lebt und bei Suchaktionen helfen möchte, kann sich über die Plattform informieren und registrieren.

Dabei müssen selbstverständlich die örtlichen Vorschriften eingehalten werden. Nicht überall ist der Einsatz von Metalldetektoren erlaubt. Besonders in Schutzgebieten und archäologisch sensiblen Bereichen können Einschränkungen gelten.

Da Retrievly noch im Aufbau ist, steht nicht an jedem Urlaubsort bereits ein Helfer zur Verfügung. Die Plattform versucht nach eigenen Angaben bei Bedarf auch über regionale Gruppen und Foren geeignete Sucher zu finden.

Eine kleine Idee mit großem Potenzial

Ob Retrievly künftig tatsächlich zahlreiche verlorene Eheringe, Schlüssel oder andere Wertgegenstände zurückbringen kann, wird sich erst zeigen.

Der Ansatz ist jedenfalls interessant: Statt eine kostenpflichtige Suchfirma zu beauftragen, können Betroffene Kontakt zu Menschen aufnehmen, die aus Begeisterung gerne mit ihrem Metalldetektor unterwegs sind.

Für Kenny Trappl steht dabei weniger der materielle Wert der gefundenen Gegenstände im Vordergrund.

Viel wichtiger ist ihm das Gefühl, einem Menschen etwas zurückzugeben, das möglicherweise mit ganz besonderen Erinnerungen verbunden ist.

Denn gerade ein Ehering ist weit mehr als ein Schmuckstück.

Und manchmal braucht es eben nur jemanden mit einem Metalldetektor, etwas Geduld und der Freude am Helfen, damit aus einem verlorenen Urlaubstag doch noch eine schöne Geschichte wird.


Weitere Informationen und Suchanfragen

Retrievly – Gemeinsam verlorene Gegenstände wiederfinden

Website: https://retrievly.eu/de

Die Plattform ist kostenlos und steht sowohl Menschen mit verlorenen Gegenständen als auch freiwilligen Sondengängern offen.

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