Jesolo setzt auf Vorsorge statt erst auf Behandlung

Herzgesundheit direkt im Park: Jesolo setzt auf Vorsorge statt erst auf Behandlung

Bewegung unter medizinischer Kontrolle, persönliche Risikobewertung und moderne digitale Rehabilitation: Beim „Open Day Prevenzione“ am Krankenhaus von Jesolo stand die Frage im Mittelpunkt, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglichst früh erkannt und verhindert werden können. Auch Venetiens Gesundheitslandesrat Gino Gerosa nahm an dem Aktionstag teil und absolvierte Teile des cardioprotekten Parcours selbst.

Open Day im Park des Krankenhauses

Am Freitag, 7. August 2026, fand im Park des Krankenhauses von Jesolo der „Open Day Prevenzione“ statt.

Die Veranstaltung gehört zum Projekt „Estate inForma“ der Gesundheitsbehörde ULSS 4 Veneto Orientale. Ziel ist es, während der Sommersaison stärker für Vorsorge, Bewegung und einen gesunden Lebensstil zu sensibilisieren.

An der Veranstaltung beteiligten sich Mitarbeiter der Kardiologie, der kardiologischen Rehabilitation und des Präventionsbereichs der ULSS 4. Hinzu kamen Hausärzte und ehrenamtliche Organisationen.

Prominenter Gast war Gino Gerosa, Gesundheitslandesrat der Region Veneto. Seine Zuständigkeit umfasst unter anderem die regionale Gesundheitsplanung, das Krankenhausnetz, Prävention, öffentliche Gesundheit und digitale Gesundheitsangebote.

Auch der Vizepräsident der Region Veneto und Tourismuslandesrat Lucas Pavanetto nahm an der Veranstaltung teil.

Bewegung und Gesundheitscheck miteinander verbunden

Im Mittelpunkt des Vormittags standen sogenannte cardiometabolische Parcours.

Dabei werden Bewegung und medizinische Kontrolle miteinander kombiniert. Die Teilnehmer absolvieren körperliche Übungen und erhalten gleichzeitig Informationen zu möglichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dazu gehören unter anderem Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Übergewicht oder andere Faktoren, die langfristig die Gesundheit von Herz und Gefäßen beeinträchtigen können.

Das Konzept verfolgt einen einfachen Ansatz: Menschen sollen sich nicht erst dann mit ihrer Herzgesundheit beschäftigen, wenn bereits eine Erkrankung vorliegt.

Stattdessen sollen regelmäßige Bewegung, Vorsorgeuntersuchungen und individuelle Beratung dazu beitragen, Risiken möglichst früh zu erkennen.

Ein besonderer Parcours mitten im Krankenhauspark

Eine zentrale Rolle spielt dabei der cardioprotekte Parcours im Park des Krankenhauses von Jesolo.

Der Weg wurde speziell für Menschen entwickelt, die nach einem Herz-Kreislauf-Ereignis oder einem herzchirurgischen Eingriff wieder schrittweise körperlich aktiv werden sollen.

Er steht aber auch für präventive Untersuchungen zur Verfügung.

Während des Trainings tragen die Teilnehmer Telemetriegeräte. Diese übertragen wichtige Vitalparameter in Echtzeit an das medizinische Team.

Überwacht werden unter anderem:

  • Herzfrequenz,
  • Blutdruck,
  • Sauerstoffsättigung,
  • körperliche Belastung.

Dadurch können Ärzte und Therapeuten beurteilen, wie der Körper auf die zunehmende Bewegung reagiert und die Belastung entsprechend anpassen.

Bewegung unter medizinischer Kontrolle

Der große Vorteil liegt in der Kombination aus freier Bewegung im Außenbereich und unmittelbarer medizinischer Überwachung.

Patienten müssen ihre Rehabilitation dadurch nicht ausschließlich in einem Behandlungsraum oder einer Turnhalle absolvieren. Sie bewegen sich an der frischen Luft und können trotzdem engmaschig kontrolliert werden.

Gerade nach einem Herzinfarkt, einer Herzoperation oder anderen schweren Erkrankungen kann das Vertrauen in den eigenen Körper zunächst eingeschränkt sein.

Der überwachte Parcours soll dabei helfen, dieses Vertrauen Schritt für Schritt zurückzugewinnen.

Dass die Einrichtung bereits eine wichtige Rolle in der kardiologischen Rehabilitation spielt, hatte die ULSS 4 schon Ende 2025 hervorgehoben. Damals berichtete die Gesundheitsbehörde, dass Patienten während ihrer Spaziergänge durch den vollständig cardioprotekten Krankenhauspark Vitalwerte und Herzaktivität kontinuierlich aufzeichnen lassen können.

Kardiologische Rehabilitation in Jesolo wächst

Die Bedeutung des Bereichs hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Nach Angaben der ULSS 4 wurden die personellen Kapazitäten der kardiologischen Rehabilitation bereits 2025 erweitert. Die Einrichtung betreut Patienten unter anderem nach Herzoperationen oder akuten Ereignissen wie einem Herzinfarkt.

Zum Behandlungskonzept gehören nicht nur Bewegung und medizinische Betreuung.

Auch psychologische Beratung und Ernährungsberatung können Bestandteil des individuellen Rehabilitationsplans sein.

Die kardiologische Rehabilitation in Jesolo arbeitet dabei mit mehreren großen Herzzentren im Veneto und im benachbarten Friaul-Julisch Venetien zusammen. Patienten kommen unter anderem aus Mestre, Padua und Vicenza nach Jesolo.

Mehr als 7.000 ambulante Leistungen bereits 2025

Die Größenordnung des Angebots zeigt ein Blick auf die Zahlen.

Nach Angaben der ULSS 4 wurden allein im Jahr 2025 bis Anfang Dezember 7.036 ambulante kardiologische Leistungen im Bereich der Rehabilitation erbracht.

Mehr als 320 Patienten waren im selben Zeitraum von der Herzchirurgie in Mestre oder anderen kardiologischen Einrichtungen der ULSS 4 zur ambulanten Rehabilitation nach Jesolo überwiesen worden.

Zusätzlich standen mehr als 300 Quadratmeter Trainings- und Behandlungsflächen zur Verfügung.

Diese Entwicklung zeigt, dass das Krankenhaus von Jesolo neben seiner wichtigen Funktion während der touristischen Hochsaison zunehmend auch spezialisierte medizinische Aufgaben übernimmt.

Neues digitales Trainingssystem vorgestellt

Beim Open Day wurde außerdem ein neues technisches System präsentiert: das D-Wall.

Die digitale Trainingswand wird bereits in der kardiologischen Rehabilitation der ULSS 4 eingesetzt.

Das System besteht nach Angaben der Gesundheitsbehörde aus einer interaktiven digitalen Wand, einer 3D-Kamera und einer speziellen Kraftmessplattform.

Während der Übungen erkennt das System die Bewegungen des Patienten und kann unmittelbar Rückmeldung dazu geben, ob eine Übung richtig ausgeführt wird.

Dadurch lassen sich individuelle Trainingsprogramme erstellen.

Von Beweglichkeit bis Gleichgewicht

Das D-Wall-System kann in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden.

Dazu gehören:

  • Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit,
  • Muskelaufbau,
  • Gleichgewichtstraining,
  • Haltungskontrolle,
  • Koordination.

Parallel kann die Herzfrequenz während des Trainings überwacht werden.

Das ermöglicht eine stärkere Individualisierung der Rehabilitation. Statt für alle Patienten dasselbe Trainingsprogramm anzuwenden, können die Übungen an Leistungsfähigkeit und gesundheitliche Einschränkungen angepasst werden.

Gerade bei älteren Patienten oder Menschen nach längerer Krankheit kann eine kontrollierte Steigerung der Belastung entscheidend sein.

Auch komplexe Fälle wurden besprochen

Der Besuch des Gesundheitslandesrates beschränkte sich nicht auf den öffentlichen Präventionstag.

Während des Vormittags wurden im Krankenhaus auch mehrere komplexe medizinische Fälle aus dem Bereich der Herzchirurgie besprochen.

Dabei tauschten sich Gerosa und die beteiligten Fachärzte über mögliche Prognosen und weitere Behandlungsschritte aus.

Die Sitzung fand im ambulanten Bereich des Krankenhauses statt.

Gerosa ist selbst Mediziner und war viele Jahre in der Herzchirurgie tätig. Der Besuch hatte daher neben dem politischen auch einen fachlichen Schwerpunkt.

Gerosa: Vorsorge kann schwere Erkrankungen verhindern

Der Gesundheitslandesrat hob bei seinem Besuch die Bedeutung der Prävention hervor.

Herzgesundheit sei das Ergebnis mehrerer Faktoren. Dazu gehörten ein gesunder Lebensstil, regelmäßige Kontrollen und eine gute medizinische Versorgung.

Wer Risiken frühzeitig erkenne, könne geeignete Behandlungsmöglichkeiten früher beginnen.

Gerosa betonte zudem, dass Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose häufig gut behandelt werden könnten. In manchen Fällen lasse sich dadurch möglicherweise sogar ein späterer chirurgischer Eingriff vermeiden.

Er lobte insbesondere den cardioprotekten Parcours und den Open Day als Möglichkeiten, Menschen unmittelbar für die eigene Gesundheit zu sensibilisieren.

Tourismus und Gesundheitsversorgung gehören zusammen

Auch Lucas Pavanetto stellte einen direkten Bezug zum Tourismus her.

Für einen Urlaubsort sei nicht nur die Qualität von Strand, Hotels und Freizeitangeboten entscheidend. Auch eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung trage zur Qualität eines Reiseziels bei.

Das gilt besonders für eine Region wie das Veneto, die jedes Jahr Millionen Urlauber empfängt.

Pavanetto ist als Vizepräsident der Region unter anderem für Tourismus, nachhaltigen Tourismus und die touristische Vermarktung des Veneto zuständig.

Aus seiner Sicht können Gesundheitsvorsorge und moderne medizinische Angebote deshalb auch ein Bestandteil eines hochwertigen Tourismuskonzepts sein.

Krankenhaus von Jesolo ist auch für Urlauber wichtig

Während der Sommermonate steigt die Bevölkerung in Jesolo und den umliegenden Küstenorten massiv an.

Damit wächst gleichzeitig der Bedarf an medizinischer Versorgung.

Das Krankenhaus von Jesolo erfüllt deshalb eine doppelte Aufgabe: Es versorgt die Einwohner des Gebietes und muss gleichzeitig auf die erheblich höhere Zahl von Urlaubern während der Hauptsaison vorbereitet sein.

Die ULSS 4 ergänzt diese Versorgung im Sommer durch verschiedene Programme.

Dazu gehören zusätzliche medizinische Angebote entlang der Küste sowie Präventionsveranstaltungen wie „Estate inForma“.

Gesundheit soll nicht erst im Krankenhaus beginnen

ULSS-4-Generaldirektor Carlo Bramezza sieht den cardioprotekten Park als Teil eines umfassenderen Ansatzes.

Prävention, Behandlung und Rehabilitation sollen nicht voneinander getrennt betrachtet werden.

Ein Patient, der nach einem Herzinfarkt oder einer Operation aus dem Krankenhaus entlassen wird, benötigt häufig über Wochen oder Monate weitere Unterstützung.

Dazu gehören kontrollierte Bewegung, medizinische Überwachung und eine schrittweise Rückkehr in den Alltag.

Der Parcours im Krankenhauspark soll genau diese Verbindung schaffen.

Bürgermeister De Zotti lobt Präventionsangebot

Auch Jesolos Bürgermeister Christofer De Zotti nahm zu dem Projekt Stellung.

Für ihn ist Prävention die erste Investition in die Gesundheit der Bevölkerung.

Der cardioprotekte Park zeige, wie medizinische Innovation und Gesundheitsförderung miteinander verbunden werden können.

Das Krankenhaus von Jesolo sei nicht nur ein wichtiger medizinischer Standort für die Stadt selbst, sondern für das gesamte Gebiet.

De Zotti ist auch 2026 Bürgermeister von Jesolo, wie aus den aktuellen Planungsunterlagen der Stadt hervorgeht.

Was Urlauber daraus mitnehmen können

Der Open Day richtet sich zwar stark an Menschen mit bestehenden Risiken oder an Patienten nach einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Die zentrale Botschaft gilt jedoch für alle.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln sich häufig über Jahre. Faktoren wie Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht oder eine dauerhaft ungünstige Ernährung können das Risiko erhöhen.

Regelmäßige Bewegung und Vorsorgeuntersuchungen können deshalb einen wichtigen Beitrag leisten.

Gerade im Urlaub bietet sich oft die Gelegenheit, mehr zu Fuß zu gehen, Rad zu fahren oder regelmäßig zu schwimmen.

Dabei sollte jedoch die eigene körperliche Belastbarkeit berücksichtigt werden.

Wer bekannte Herzprobleme hat oder längere Zeit keinen Sport betrieben hat, sollte intensive Belastungen nicht ohne medizinische Rücksprache beginnen.

Vorsicht bei Hitze

Im Hochsommer kommt ein weiterer Faktor hinzu: hohe Temperaturen.

Bei starker Hitze muss das Herz-Kreislauf-System zusätzliche Arbeit leisten. Der Körper versucht, Wärme über eine stärkere Durchblutung der Haut und über Schweiß abzugeben.

Besonders ältere Menschen und Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten deshalb körperliche Aktivitäten möglichst auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen.

Ausreichendes Trinken ist ebenfalls wichtig, sofern medizinisch keine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr vorgeschrieben wurde.

Beschwerden wie starke Atemnot, Druck oder Schmerzen im Brustbereich, plötzlicher Schwindel oder ungewöhnliche Schwäche sollten ernst genommen werden.

Bei einem akuten medizinischen Notfall gilt auch in Italien die europäische Notrufnummer 112.

Vom Ferienort zum Gesundheitsstandort

Das Krankenhaus von Jesolo entwickelt sich damit zunehmend über die klassische Versorgung eines Urlaubsortes hinaus.

Die spezialisierte kardiologische Rehabilitation, der cardioprotekte Parcours und neue digitale Systeme wie das D-Wall zeigen, dass auch langfristige medizinische Angebote ausgebaut werden.

Die ULSS 4 hatte bereits 2025 berichtet, dass die stationären Plätze der kardiologischen Rehabilitation vollständig ausgelastet waren und die Nachfrage kontinuierlich zunahm.

Der Open Day macht diese Entwicklung nun auch für die Öffentlichkeit sichtbar.

Prävention als Teil des Sommers in Jesolo

„Estate inForma“ soll Gesundheitsvorsorge dorthin bringen, wo sich Menschen im Sommer tatsächlich aufhalten.

Damit ergänzt die Initiative klassische medizinische Angebote durch Information und praktische Erfahrungen.

Der Open Day im Krankenhauspark zeigt dabei einen Ansatz, der über reine Informationsstände hinausgeht.

Die Teilnehmer bewegen sich selbst, können ihre körperliche Reaktion beobachten lassen und erhalten individuelle Hinweise.

So wird Prävention unmittelbar erlebbar.

Quellenhinweis

Grundlage dieses Artikels ist die Pressemitteilung der ULSS 4 Veneto Orientale vom 7. August 2026 zum „Open Day Prevenzione“ im Krankenhaus von Jesolo.

Die Angaben zum Ablauf der Veranstaltung, zum D-Wall-System, zu den beteiligten Fachbereichen und die Aussagen von Gino Gerosa, Lucas Pavanetto, Carlo Bramezza und Christofer De Zotti stammen aus dieser Mitteilung.

Ergänzend wurden die offiziellen Angaben der Region Veneto zu den aktuellen Funktionen von Gesundheitslandesrat Gino Gerosa und Vizepräsident Lucas Pavanetto sowie frühere Veröffentlichungen der ULSS 4 zur kardiologischen Rehabilitation in Jesolo herangezogen.

Stand: 7. August 2026

Schreibe einen Kommentar

Tickets