Venedig plant höhere Touristensteuer

Venedig plant höhere Touristensteuer: Bis zu 9 Euro pro Nacht im Gespräch

Ein Urlaub in Venedig könnte künftig etwas teurer werden. Die Stadt arbeitet an einer umfassenden Reform der Touristensteuer für Übernachtungsgäste. Im Gespräch sind nicht nur höhere Beträge, sondern auch unterschiedliche Tarife für die historische Altstadt, die Inseln und das Festland. In der höchsten Kategorie könnten künftig bis zu 9 Euro pro Person und Nacht fällig werden. Beschlossen ist die Erhöhung allerdings noch nicht.

Die Stadt Venedig nimmt ihre Touristensteuer, die italienische „Imposta di soggiorno“, grundlegend unter die Lupe.

Am Montag, 7. September 2026, trafen sich Finanzstadtrat Michele Zuin und Tourismusstadträtin Silvia Peruzzo Meggetto mit Vertretern der Tourismusverbände. Dabei wurden die Leitlinien für eine mögliche Neuregelung vorgestellt.

Das Ziel ist offenbar eine deutlich differenziertere Besteuerung von Übernachtungen. Künftig könnten nicht mehr nur Art und Kategorie der Unterkunft entscheidend sein. Auch der Ort der Unterkunft und teilweise die Jahreszeit sollen eine größere Rolle spielen.

Bis zu 9 Euro pro Nacht im Gespräch

Aktuell liegen die regulären Tarife der Übernachtungssteuer in Venedig je nach Unterkunft und weiteren Faktoren zwischen etwa 1 und maximal 5 Euro pro Person und Nacht.

Das könnte sich deutlich ändern.

Nach den derzeit diskutierten Plänen könnte der Höchstbetrag für besonders hochwertige Unterkünfte auf 9 Euro pro Person und Nacht steigen.

Betroffen wären von diesem Spitzenbetrag insbesondere Hotels der höchsten Kategorie.

Damit würde Venedig näher an andere große italienische Tourismusstädte heranrücken. Städte wie Rom, Florenz, Mailand, Neapel oder Bologna haben ihre Übernachtungssteuern in den vergangenen Jahren teilweise bereits deutlich angehoben.

Wichtig: Die neuen Tarife sind derzeit noch ein Vorschlag und keine bereits beschlossene neue Gebührenordnung.

Was bedeutet das beispielsweise für eine Familie?

Bei mehreren Übernachtungen können sich auch vermeintlich kleine Beträge schnell summieren.

Würden zwei Erwachsene beispielsweise vier Nächte in einer Unterkunft verbringen, für die künftig 9 Euro pro Person und Nacht verlangt werden, wären das:

2 Personen × 4 Nächte × 9 Euro = 72 Euro Touristensteuer.

Bei fünf steuerpflichtigen Nächten wären es bereits 90 Euro.

Dabei handelt es sich nur um ein Rechenbeispiel auf Grundlage des diskutierten Höchstsatzes. Die tatsächliche Steuer würde weiterhin von der Unterkunftskategorie und künftig möglicherweise zusätzlich vom Gebiet und Reisezeitraum abhängen.

Steuer wird derzeit maximal für fünf Nächte berechnet

Ein wichtiger Punkt bleibt nach dem derzeit geltenden Regelwerk: Die Touristensteuer in Venedig wird für Nicht-Einwohner bei einem zusammenhängenden Aufenthalt derzeit nur für die ersten fünf aufeinanderfolgenden Übernachtungen erhoben.

Wer beispielsweise zehn Nächte in derselben Unterkunft verbringt, bezahlt die Steuer somit derzeit nicht für alle zehn Nächte.

Ob sich im Zuge der geplanten Reform auch an dieser Regel etwas ändern soll, geht aus den bislang bekannt gewordenen Plänen nicht hervor.

Historisches Venedig soll am teuersten werden

Besonders interessant ist die geplante geografische Aufteilung.

Die Stadt möchte das Gemeindegebiet künftig offenbar in unterschiedliche Tarifzonen unterteilen.

Zur teuersten Zone sollen nach dem derzeit diskutierten Modell gehören:

Venedigs historische Altstadt, Giudecca, Murano und Sacca Sessola.

Hier sollen die regulären Tarife gelten, wobei weiterhin nach Art und Kategorie der Unterkunft unterschieden wird.

Damit würde eine Übernachtung beispielsweise in einem Hotel im historischen Zentrum grundsätzlich höher besteuert als eine vergleichbare Übernachtung auf dem Festland.

Burano und Lido bekommen saisonabhängige Tarife

Eine zweite Gruppe soll aus Gebieten bestehen, deren Tourismus stärker von der Jahreszeit abhängig ist.

Dazu zählen nach dem vorgestellten Modell:

Lido di Venezia, Burano, Pellestrina, Sant’Erasmo, Vignole, Torcello und Mazzorbo.

Hier ist eine interessante Regelung vorgesehen.

Vom 1. April bis 30. September sollen dieselben Tarife gelten wie im historischen Venedig.

Vom 1. Oktober bis 30. März soll die Touristensteuer dagegen um 50 Prozent reduziert werden.

Damit würde die Stadt erstmals wesentlich stärker berücksichtigen, dass sich die touristische Nachfrage auf den einzelnen Inseln deutlich unterscheidet.

Für einen Winterurlaub auf Burano oder dem Lido könnte die Touristensteuer damit erheblich niedriger ausfallen als für einen Aufenthalt im historischen Zentrum.

Mestre und das Festland sollen günstiger bleiben

Eine eigene Tarifstruktur ist für das venezianische Festland vorgesehen.

Dazu gehört insbesondere Mestre, das für viele Venedig-Besucher eine günstigere Alternative zur Übernachtung in der historischen Altstadt darstellt.

Die Tarife auf dem Festland sollen nach den derzeitigen Überlegungen abhängig von der Unterkunftskategorie ungefähr 16 bis 25 Prozent unter den entsprechenden Tarifen in Venedigs historischem Zentrum liegen.

Damit würde die Stadt einen bereits bestehenden praktischen Unterschied zwischen den verschiedenen Teilen des Gemeindegebietes künftig noch deutlicher in der Steuerstruktur abbilden.

Für Reisende könnte das ein zusätzlicher Grund sein, bei der Unterkunftssuche nicht nur Hotels in Venedig selbst, sondern auch Mestre zu vergleichen.

Januar als bisherige Nebensaison soll verschwinden

Mit dem neuen Modell würde auch die bisherige Einteilung der Nebensaison verändert.

Bislang spielt insbesondere der Januar als günstigere Periode eine Rolle.

Künftig soll die Saison stärker auf die tatsächlichen touristischen Eigenschaften der verschiedenen Gebiete abgestimmt werden.

Das führt zu einem bemerkenswerten Ergebnis:

Während im historischen Zentrum Venedigs die starke saisonale Vergünstigung offenbar weitgehend verschwinden könnte, sollen saisonabhängigere Inseln im Winter von einer deutlichen Reduzierung profitieren.

Die Stadt bezeichnet das als eine Art maßgeschneiderte Lösung für das sehr unterschiedliche Gemeindegebiet.

Rund 38 Millionen Euro nimmt Venedig bereits ein

Schon heute ist die Touristensteuer eine bedeutende Einnahmequelle für Venedig.

Die Stadt rechnet im Haushaltsplan 2026 mit rund 37,05 Millionen Euro aus der Übernachtungssteuer. Die aktuell kommunizierte Größenordnung von rund 38 Millionen Euro jährlich ist damit plausibel.

Eine deutliche Erhöhung der Tarife könnte die Einnahmen entsprechend weiter steigen lassen.

Dabei geht es um erheblich mehr Geld als beim viel diskutierten Eintritt beziehungsweise „Contributo di Accesso“ für bestimmte Tagesbesucher.

Was soll mit dem zusätzlichen Geld passieren?

Die Stadt hat bereits eine Reihe von Bereichen genannt, in die zusätzliche Einnahmen fließen könnten.

Geplant beziehungsweise diskutiert sind unter anderem mehr Straßen- und Stadtreinigung, eine zusätzliche nächtliche Leerung der Abfallbehälter, mehr Personal für die Polizia Locale sowie Investitionen in die Pflege des öffentlichen Raums.

Auch Instandhaltung und Schutz Venedigs sollen profitieren.

Darüber hinaus sollen zusätzliche Mittel für Grünanlagen und kulturelle Veranstaltungen eingesetzt werden.

Grundsätzlich entspricht dies auch dem gesetzlichen Zweck der Touristensteuer. Die Stadt Venedig weist selbst darauf hin, dass deren Einnahmen unter anderem für Tourismus, Instandhaltung sowie Nutzung und Erhaltung lokaler Kultur- und Umweltgüter und damit verbundener öffentlicher Dienstleistungen bestimmt sind.

Bis zu 200 zusätzliche Polizisten

Ein Teil der zusätzlichen Einnahmen könnte in die Verstärkung der Polizia Locale fließen.

Die Stadt verfolgt nach den vorgestellten Plänen das Ziel, langfristig bis zu 200 zusätzliche Beamte einzusetzen.

Für eine Stadt wie Venedig ist das Thema besonders relevant. Millionen Besucher bewegen sich jedes Jahr durch einen vergleichsweise kleinen historischen Stadtraum.

Neben klassischen Polizeiaufgaben geht es deshalb auch um die Überwachung von Regeln, Besucherströmen und die Nutzung des öffentlichen Raums.

Auch Wohnungen für Beschäftigte im Tourismus geplant

Ein weiterer Teil des zusätzlichen Geldes soll unmittelbar in die touristische Infrastruktur zurückfließen.

Interessant ist dabei ein Vorschlag, gemeinsam mit den Tourismusverbänden Wohnraum für Beschäftigte der Branche bereitzustellen beziehungsweise zurückzugewinnen.

Bezahlbarer Wohnraum ist in Venedig seit Jahren ein großes Thema. Das betrifft nicht nur Einwohner, sondern auch Mitarbeiter von Hotels, Gastronomie und anderen touristischen Betrieben.

Die zusätzlichen Einnahmen könnten nach den Vorstellungen der Stadt teilweise dafür verwendet werden.

Mehr internationale Werbung für Veranstaltungen

Gleichzeitig möchte Venedig mehr Geld in internationale Kommunikation und Werbung investieren.

Dabei geht es nicht ausschließlich darum, noch mehr Besucher in die Stadt zu bringen.

Vielmehr sollen bestehende Veranstaltungen international stärker vermarktet und zusätzliche Angebote außerhalb der klassischen Hochsaison entwickelt werden.

Das Ziel lautet Destagionalisierung.

Besucher sollen stärker auf unterschiedliche Monate und Gebiete verteilt werden, anstatt sich auf wenige besonders stark frequentierte Zeiten zu konzentrieren.

Touristensteuer und Venedig-Eintritt sind zwei verschiedene Dinge

Für Urlauber ist eine Unterscheidung besonders wichtig.

Die Imposta di soggiorno ist nicht dasselbe wie der Contributo di Accesso, der häufig als Venedig-Eintritt bezeichnet wird.

Die Touristensteuer betrifft Personen, die in einer Beherbergungsstätte im Gemeindegebiet Venedig übernachten.

Der Contributo di Accesso richtet sich dagegen unter bestimmten Voraussetzungen an Tagesbesucher der historischen Stadt.

Übernachtungsgäste können an Tagen, an denen der Zugangsbetrag gilt, grundsätzlich von diesem befreit sein, müssen dafür aber die jeweils vorgeschriebenen Voraussetzungen erfüllen beziehungsweise einen entsprechenden Nachweis besitzen.

Es handelt sich also um zwei unterschiedliche Systeme.

Noch gelten die bisherigen Tarife

Für Reisende ist derzeit vor allem eines entscheidend:

Die Erhöhung auf bis zu 9 Euro ist noch nicht in Kraft.

Die Stadt befindet sich in Gesprächen mit den Vertretern der Tourismusbranche. Erst anschließend können die konkreten Tarife und die endgültige Ausgestaltung beschlossen werden.

Wer aktuell eine Reise nach Venedig plant, sollte deshalb nicht automatisch mit 9 Euro pro Nacht kalkulieren.

Die derzeitige Touristensteuer gilt weiterhin nach den bestehenden Tarifen und Regeln. Die Stadt erhebt sie für Übernachtungen von Nicht-Einwohnern in Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben im Gemeindegebiet.

Warum Venedig die Steuer erhöhen will

Finanzstadtrat Michele Zuin begründet die Überlegungen damit, dass Venedig bei der Höhe der Touristensteuer inzwischen deutlich unter anderen großen italienischen Tourismusstädten liege.

Die zusätzlichen Einnahmen sollen nach Darstellung der Stadt unmittelbar in Leistungen fließen, von denen Einwohner und Besucher profitieren.

Tourismusstadträtin Silvia Peruzzo Meggetto argumentiert ähnlich: Wer Venedig besuche, solle auch einen Beitrag zum Schutz der Stadt und zur Qualität der notwendigen Dienstleistungen leisten.

Genau darüber dürfte allerdings noch intensiv diskutiert werden.

Denn Venedig gehört bereits heute zu den hochpreisigen europäischen Reisezielen. Eine Erhöhung von derzeit maximal 5 auf möglicherweise 9 Euro würde beim Höchstsatz immerhin einer Steigerung von 80 Prozent entsprechen.

Neue Touristensteuer könnte Reiseplanung verändern

Besonders interessant wird die geplante geografische Differenzierung.

Wer künftig in einem hochwertigen Hotel im historischen Zentrum übernachtet, könnte deutlich mehr bezahlen als ein Gast in einer vergleichbaren Unterkunft in Mestre.

Auch zwischen einem Sommer- und Winteraufenthalt auf Burano oder dem Lido könnte ein erheblicher Unterschied entstehen.

Die Touristensteuer würde damit stärker zu einem Instrument der Besucherlenkung.

Ob das tatsächlich Auswirkungen auf die Wahl der Unterkunft oder die Reisezeit haben wird, bleibt abzuwarten.

Unser Fazit: Noch keine 9-Euro-Steuer – aber die Richtung ist klar

Noch handelt es sich um eine geplante Reform.

Die derzeit geltenden Tarife wurden nicht über Nacht abgeschafft, und Urlauber müssen aktuell nicht plötzlich 9 Euro pro Person und Nacht bezahlen.

Die politische Richtung ist allerdings klar erkennbar.

Venedig möchte die Übernachtungssteuer erhöhen und gleichzeitig wesentlich stärker danach unterscheiden, wo, wann und in welcher Unterkunft ein Gast übernachtet.

Sollte das vorgestellte Modell umgesetzt werden, könnten insbesondere hochwertige Übernachtungen im historischen Zentrum deutlich teurer werden. Mestre könnte dagegen steuerlich günstiger bleiben, während Inseln wie Burano und Lido in den Wintermonaten von einer 50-prozentigen Reduzierung profitieren könnten.

Für Venedig wäre es eine der bedeutendsten Veränderungen der Touristensteuer seit ihrer Einführung im Jahr 2011. Die Stadt führte die Abgabe zum 24. August 2011 ein.

Stand: 7. September 2026. Die neuen Tarife sind derzeit Gegenstand der Beratungen und noch nicht als neue endgültige Gebührenordnung in Kraft.

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