Waldbrände in Friaul: Lage bei Tolmezzo spitzt sich zu – FFP2-Masken empfohlen
Die schweren Waldbrände in der Carnia im Norden von Friaul-Julisch Venetien halten die Einsatzkräfte weiter in Atem. Besonders kritisch ist die Situation rund um den Monte Amariana zwischen Amaro und Tolmezzo. In der Nacht auf Sonntag, 16. August, hat sich die Lage nochmals verschärft.
Die Flammen breiteten sich vom Monte Amariana in Richtung Monte Amarianute und Tolmezzo aus. In Pissebus mussten vorsorglich Bewohner ihre Häuser verlassen. Nach aktuellen Angaben sind insgesamt rund 400 Hektar Fläche betroffen und 25 Menschen evakuiert worden.
Neben den Flammen wird inzwischen auch der Rauch zu einem erheblichen Problem. Die Region hat deshalb für zahlreiche Gemeinden gesundheitliche Verhaltensempfehlungen herausgegeben.
Regionaler Notstand wurde ausgerufen
Bereits am 14. August haben Regionalpräsident Massimiliano Fedriga und der für den Zivilschutz zuständige Regionalrat Riccardo Riccardi den regionalen Notstand wegen der Waldbrände erklärt.
Gleichzeitig wurde der bereits bestehende Notstand wegen der Trockenheit auf das gesamte Gebiet von Friaul-Julisch Venetien ausgeweitet.
Für die Maßnahmen im Zusammenhang mit Waldbränden und Trockenheit wurden zunächst insgesamt 1,7 Millionen Euro bereitgestellt.
Wichtig ist dabei eine Unterscheidung: Am Sonntag erklärte Fedriga nach einer Lagebesprechung in Tolmezzo, hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchs befinde man sich in einer Situation erhöhter Aufmerksamkeit beziehungsweise „Allerta“ und nicht in einer extremen gesundheitlichen Notlage.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der zuvor erklärte regionale Notstand wegen der Waldbrände aufgehoben wurde.
FFP2- oder FFP3-Masken in 17 Gemeinden empfohlen
Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit dem Rauch der Waldbrände.
Die Region Friaul-Julisch Venetien veröffentlichte am Sonntag konkrete Gesundheitsempfehlungen für 17 Gemeinden:
Tolmezzo, Amaro, Cavazzo Carnico, Zuglio, Arta Terme, Artegna, Sutrio, Cercivento, Paluzza, Paularo, Villa Santina, Moggio Udinese, Tarcento, Treppo Ligosullo, Venzone, Gemona del Friuli und Osoppo.
Die Behörden empfehlen dort:
- Aufenthalte im Freien möglichst zu begrenzen,
- Türen und Fenster geschlossen zu halten,
- intensive körperliche oder sportliche Aktivitäten im Freien auszusetzen,
- bei einem unvermeidbaren längeren Aufenthalt im Freien eine FFP2- oder FFP3-Maske zu tragen.
Besonders vorsichtig sollen Kinder, ältere Menschen, Schwangere sowie Menschen mit Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.
Luftqualität am Sonntag deutlich schlechter
Dass diese Empfehlungen nicht nur eine reine Vorsichtsmaßnahme sind, zeigen die aktuellen Messungen der regionalen Umweltagentur ARPA FVG.
Am Sonntagmorgen war die Luftqualität insgesamt schlechter als noch am Samstag. Nach Angaben der Behörde sammelt sich der Rauch insbesondere während der Nacht und in den frühen Morgenstunden in den Tälern.
Mit zunehmender Sonneneinstrahlung wird der Rauch anschließend teilweise in Richtung Norden und Nordosten in die inneren Bereiche der Täler transportiert.
ARPA hält eine Überschreitung der täglichen Grenzwerte für PM10-Feinstaub in den betroffenen Gebieten für wahrscheinlich.
Besonders hohe Momentanwerte wurden am Sonntagmorgen in Pissebus gemessen. Dort wurden zwischen 416 und 442 µg/m³ PM10 erfasst. In Illegio lag eine Messung bei rund 365 µg/m³.
Auch in Amaro wurden mit rund 199 µg/m³ deutlich erhöhte Werte gemessen. In Tolmezzo lagen die kurzfristigen Messwerte am Morgen bei etwa 82 bis 88 µg/m³.
Dabei weist ARPA ausdrücklich darauf hin, dass es sich teilweise um Momentanmessungen handelt, die methodisch nicht unmittelbar mit den offiziellen Tagesmittelwerten der stationären Messnetze verglichen werden können.
Feuer rückte gefährlich nahe an Pissebus heran
Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation in der Nacht auf Sonntag.
Das Feuer auf dem Monte Amariana hatte sich bereits am Samstagnachmittag wieder deutlich verstärkt und anschließend auf den Monte Amarianute im Gemeindegebiet von Tolmezzo ausgebreitet.
In der Nacht rückten die Flammen so weit in Richtung Pissebus vor, dass vorsorglich Häuser evakuiert wurden.
Die Einsatzkräfte versuchen weiterhin, eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Die Löscharbeiten werden durch das teilweise extrem steile und schwer zugängliche Gelände erheblich erschwert.
Neben Feuerwehr, Forst- und Zivilschutzkräften kommen deshalb auch mehrere Löschflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Italien erhält dabei auch Unterstützung aus dem Ausland.







Was bedeutet der Brand für Urlauber auf dem Weg nach Grado?
Für Urlauber aus Österreich und Deutschland ist vor allem die Verkehrslage auf der A23 zwischen Tarvisio, Tolmezzo und Udine interessant.
Die Autobahn führt unmittelbar an der betroffenen Region vorbei. Die Anschlussstelle Carnia/Tolmezzo befindet sich nahe dem derzeit besonders betroffenen Gebiet um Amaro und den Monte Amariana.
A23 derzeit nicht wegen des Waldbrandes gesperrt
Nach dem derzeitigen Informationsstand gibt es keine generelle brandbedingte Sperre der A23 Palmanova–Tarvisio.
Damit bleibt die wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen Österreich und Udine beziehungsweise der oberen Adria grundsätzlich befahrbar.
Autofahrer können insbesondere im Bereich Amaro/Carnia-Tolmezzo jedoch Rauch und eine teilweise stark eingeschränkte Sicht auf die umliegenden Berge wahrnehmen.
Zusätzlich ist am Sonntag, 16. August, aufgrund des Ferienverkehrs und des beginnenden Rückreiseverkehrs mit einem hohen Verkehrsaufkommen zu rechnen.
Wer von Österreich über Tarvisio in Richtung Udine, Grado, Lignano oder Bibione unterwegs ist, sollte deshalb vor der Fahrt die aktuelle Verkehrslage überprüfen.
Lokale Straßensperren im Brandgebiet
Anders sieht es auf einzelnen Straßen direkt im Einsatzgebiet aus.
Dort wurden Zufahrten gesperrt oder eingeschränkt, damit Feuerwehr, Zivilschutz und Löschfahrzeuge ungehindert arbeiten können. Außerdem sollen Schaulustige von den Einsatzgebieten ferngehalten werden.
Für Urlauber gilt deshalb: Nicht versuchen, näher an die Brandgebiete heranzufahren, um das Feuer oder die Löscharbeiten zu beobachten.
Das behindert im schlimmsten Fall die Einsatzkräfte und kann aufgrund von Rauch, Funkenflug und einer möglichen Veränderung der Windrichtung gefährlich werden.
Lage bleibt angespannt
Eine schnelle Entwarnung gibt es derzeit nicht.
Die Löscharbeiten laufen weiter. Entscheidend für die weitere Entwicklung werden neben den Löscherfolgen vor allem Wind, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und mögliche Niederschläge sein.
Die Behörden hoffen insbesondere auf eine Wetteränderung und Niederschläge in den kommenden Tagen.
Für Bewohner und Urlauber im Raum Tolmezzo, Amaro und in den angrenzenden Tälern gilt weiterhin: Bei starker Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen halten, körperliche Anstrengungen im Freien vermeiden und bei notwendigen längeren Aufenthalten draußen möglichst FFP2- oder FFP3-Masken verwenden.
Keine Einschränkungen für Grado bekannt
Für Grado und die unmittelbare Küstenregion bestehen nach aktuellem Stand keine entsprechenden Gesundheitsempfehlungen aufgrund der Brände in der Carnia.
Auch die Anreise nach Grado über die A23 und anschließend die A4 beziehungsweise das regionale Straßennetz ist grundsätzlich möglich.
Reisende aus Österreich sollten die Situation dennoch beobachten. Die Waldbrände befinden sich nahe einer der wichtigsten Anreiserouten von Österreich zur oberen Adria, und die Lage kann sich abhängig von Wind und Wetter kurzfristig verändern.
Stand: 16. August 2026, ca. 15 Uhr. Aufgrund der dynamischen Lage können sich Straßensperren, Luftqualität und Einsatzlage kurzfristig ändern.
